„Seht nicht nur die Krankheit und Beeinträchtigungen – seht das Kind“
Im Rahmen unserer aktuellen Imagekampagne für mehr Sichtbarkeit der außerklinischen Kinderintensivpflege haben wir Anna-Lena bereits in Bild und Ton erlebt. Doch wer steckt hinter den Aufnahmen – und was bewegt eine Pflegefachkraft, die täglich schwer kranke Kinder in ihrem Zuhause begleitet?
Anna-Lena, 29 Jahre alt und examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, hat sich die Zeit genommen, uns genau das zu erzählen: von Momenten, die einem das Herz aufgehen lassen, von Wasserpistolen und Decken-Höhlen, von Superkräften, die sie sich wünscht – und von einem Beruf, den sie mit einer klaren Botschaft an alle Pflegefachkräfte verbindet: Traut euch. Ihr werdet es nicht bereuen.
Liebe Anna-Lena, im Rahmen einer kürzlich durchgeführten Kampagne für mehr Sichtbarkeit des schönen Berufs der außerklinischen Kinderintensivpflege konnten wir dich und deine Arbeit bereits in Bild und Ton erleben. Nun möchten wir gern die Anna-Lena und ihren Beruf kennenlernen, die hinter diesen tollen Aufnahmen steckte. Wenn du dich und deinen Beruf in einer Art Steckbrief kurz und knapp vorstellen müsstest, wie sähe dies aus?
Hi, ich bin Anna-Lena, 29 Jahre alt und examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Ich würde mich als fröhlich und humorvoll beschreiben – für jeden Spaß zu haben. Manchmal privat auch ein bisschen „verpeilt“, gleichzeitig aber ziemlich perfektionistisch, wenn es um meine Arbeit und Fachlichkeit geht.
Ich arbeite in der außerklinischen Intensivpflege mit (intensiv-)pflegebedürftige Kindern. Dabei begleite ich schwer kranke Kinder in ihrem Zuhause und unterstütze sie nicht nur pflegerisch, sondern auch in ihrem ganz normalen Alltag. Mir ist wichtig, das Kind nicht nur als Patienten zu sehen, sondern als Kind mit eigenen Wünschen, Bedürfnissen und ganz viel Persönlichkeit.
Für mich verbindet der Beruf viel Verantwortung und Pflege mit Nähe, Vertrauen und ganz vielen besonderen Momenten im Alltag.
Was war dein lustigster oder verrücktester Moment in der außerklinischen Kinderintensivpflege? Etwas, das du nie vergessen wirst.
Der emotionalste war, als eine kleine Patientin mir gesagt hat das sie mich liebhat und dabei gedrückt hat. Da sind mir beinahe die Tränen gekommen! Und der lustigste/verrückteste… da gibts viele, vom ums Eck verstecken und den Papa gemeinsam erschrecken und mit Wasserpistolen nass spritzen, gemeinsam auf dem Wasser auf einem Floß paddeln, Karton-Burgen und Decken-Höhlen bauen, gemeinsam singen und tanzen, sich als Clown verkleiden und dem Kind eine Show aufführen, da gibts viele, viele Momente.
Oft erleben wir, dass die außerklinischen Kinderintensivpflege selbst in Kreisen von Pflegefachkräften ein noch relativ unbekannter oder falsch interpretierter Pflegebereich ist. Wie erklärst du deinen Freunden oder auch Fremden, was du beruflich machst, wenn sie dich fragen? Und wie reagieren sie?
Meine Erklärung sieht meist so aus: Ich begleite schwer kranke Kinder, die zuhause auf intensive, pflegerische Unterstützung angewiesen sind. Dabei geht es nicht darum, dass sie den ganzen Tag nur „krank“ sind, sondern darum, ihnen einen möglichst normalen Alltag trotz ihrer Besonderheiten wie Beatmung und Trachealkanüle zu ermöglichen. Ich unterstütze sie bei dem, was sie brauchen, achte auf ihren Gesundheitszustand und bin gleichzeitig eine feste Bezugsperson im Alltag und das egal wo wir sind, ob im Kindergarten/Schule, bei Terminen oder einfach zuhause.
Die meisten reagieren mit „Wow, krass! Riesen Respekt, ich könnte das nicht“. Bisher hat keiner negativ reagiert, jeder bewundert den Job und hat Respekt vor der Verantwortung.
Wenn du eine Superkraft hättest, die dir in deinem Beruf helfen würde – welche wäre das und warum?
Eine Superkraft? Bitte gleich mehr davon! 😊
- Unendliche Geduld: man arbeitet sehr nah mit und an der Familie und mit Kindern
- Blitzschnell reagieren: um kritischen Situationen schneller entgegenzuwirken
- Eine Art Schutzblase machen können: damit sich das Kind sicher und wohl fühlt, egal in welcher Situation
- Menschen lesen können: bei meinen kleinen Patient*innen die sich nicht äußern können, wäre es klasse, wenn man sofort weiß, was ihnen fehlt
- Eine zusätzliche Magische Hand: einfach, weil eine 3te Hand oft hilfreich wäre und magisch damit man das Sekret sofort lösen kann, das die Kinder oft so lange quält.
Gibt es etwas, was du in einem Interview schon immer einmal anderen Pflegefachkräften mitteilen wolltest?
Ja unbedingt! Seht nicht nur die Krankheit und Beeinträchtigungen – seht das Kind! Pflege ist natürlich wichtig, aber genauso wichtig ist es, dem pflegebedürftigen Kind Normalität, Sicherheit und Lebensfreude zu geben und gemeinsam schöne Momente zu schaffen! Traut euch diesen Beruf auszuprobieren! Ihr werdet es nicht bereuen!
Autorin
Anna-Lena ist examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin. In der außerklinischen Kinderintensivpflege begleitet sie schwer kranke Kinder in ihrem Zuhause – pflegerisch, aber vor allem auch als feste Bezugsperson im Alltag. Ihr Anspruch: das Kind nicht als Patienten zu sehen, sondern als Kind mit eigener Persönlichkeit, eigenen Wünschen und ganz vielen schönen Momenten, die es zu erleben gilt.